Wussten Sie, dass der Horrorfilm eines der ältesten kontinuierlichen Genres der Filmgeschichte ist?
Vor allem im deutschsprachigen Raum zählt der Horrorfilm zu den am meisten beargwöhnten Filmgenres. Lange als trivial, effekthascherisch oder jugendgefährdend abgewertet, erfährt er erst seit etwa zwei Jahrzehnten eine ernsthaftere Rezeption. Aktuelle Produktionen wie The Substance (2024), Blood & Sinners (2025) oder Guillermo del Toros Frankenstein (2025) werden zunehmend auch politisch und philosophisch diskutiert. Dabei gehört der Horrorfilm zu den ältesten und kontinuierlichsten Genres der Filmgeschichte.
Bereits um 1900 finden sich Werke, die zentrale Motive und Strategien des späteren Horrorfilms vorwegnehmen. Ein häufig genanntes Beispiel ist Le Manoir du Diable (1896) von Georges Méliès. Obwohl aus heutiger Sicht eher verspielt, etabliert der Film wesentliche Elemente wie das Übernatürliche, dämonische Mächte und filmische Tricks zur Darstellung von Verwandlung und Bedrohung. Auch frühe Filmpionierinnen wie Alice Guy-Blaché trugen mit fantastischen und makabren Stoffen zur Entwicklung unheimlicher Bildwelten bei. In den USA markiert Frankenstein (1910) aus den Edison Studios eine frühe Literaturverfilmung, die gezielt auf das Spektakel des Schreckens setzt.
Le manoir du diable (1896) (Das Dokument des Grauens/The Document of Terrors, 25.03.2020)
In der Weimarer Republik erfuhr das Genre durch den Expressionismus eine ästhetische Verdichtung. Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) von Robert Wiene gilt als Schlüsselwerk: Verzerrte Kulissen, starke Hell-Dunkel-Kontraste und Themen wie Wahnsinn machen den Film zu einem Meilenstein. Horror dient hier nicht nur der Unterhaltung, sondern auch als gesellschaftskritische Ausdrucksform.
Mit dem Tonfilm institutionalisierten große Studios das Genre. Dracula (1931) von Tod Browning, produziert von Universal Pictures, etablierte den Vampirfilm nachhaltig; Bela Lugosis Darstellung wurde ikonisch. In den 1950er- und 1960er-Jahren modernisierte die britische Firma Hammer Films klassische Stoffe durch explizitere Darstellungen von Gewalt und Körperlichkeit, wodurch zeitgenössische Ängste sichtbar wurden.
Die 1970er brachten mit The Exorcist (1973) einen der ersten Horror-Blockbuster und mit Halloween (1978) das Modell des modernen Slasherfilms. Serienformate und wiederkehrende Figuren wie Zombies zeigen die anhaltende Anpassungsfähigkeit des Genres, das gesellschaftliche Krisen – von Konsumkritik bis zu Pandemieängsten – immer wieder neu verarbeitet. Auch der Geisterfilm erlebte in den 2010er-Jahren, etwa mit The Conjuring (2013), eine Renaissance.
Insgesamt zeigt sich, dass der Horrorfilm das Kino seit seinen Anfängen begleitet und entscheidend geprägt hat. Kaum ein anderes Genre weist eine derart kontinuierliche Präsenz auf. Er ist somit eines der ältesten und zugleich wandlungsfähigsten Genres der Filmgeschichte.
