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„Der Wunsch, gut auszusehen, ist kein neues Phänomen.“

Eva Lütticke im Gespräch mit Nuri Alamuti

Die Zahl ästhetischer Eingriffe nimmt weiter zu – angetrieben von gesellschaftlichem Druck, der Dynamik sozialer Medien sowie Formaten rund um Beauty- und Schönheitsoperationen. Häufig kommen dabei Botox und Hyaluron zum Einsatz. Seit dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 31. Juli 2025 fällt die Hyaluronbehandlung jedoch nicht mehr unter „ästhetische Veränderungen“, sondern wird den operativen plastisch-chirurgischen Eingriffen zugeordnet und unterliegt damit strengeren Werberegulierungen in den Medien. mediendiskurs sprach mit Dr. med. Nuri Alamuti, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, über die Risiken der Behandlungen, über Schönheitsideale und die Frage, warum medienaffine Ärzt:innen nicht zwangsläufig die besten ihres Fachs sind.

Online seit 07.05.2026: Link

Wie schätzen Sie die aktuelle Entwicklung ein? Nimmt die Zahl der Schönheitseingriffe zu oder werden diese in den Medien einfach sichtbarer?

Es gibt deutlich mehr ästhetische Eingriffe, und die Zahl steigt weiter. Durch die starke Sichtbarkeit in den Medien wachsen die Begehrlichkeiten: Man sieht, was möglich ist, und will selbst mehr. Insgesamt lässt sich klar sagen: Es wird mehr.

Liegt diese Entwicklung aus Ihrer Sicht vor allem an den Medien oder gibt es weitere Faktoren, die zu der Zunahme der Eingriffe beitragen?

Ich denke, der gesellschaftliche Druck ist in vielen Bereichen sehr stark. Menschen wollen gut aussehen, sie wollen fit sein. Das gesamte Wertesystem hat sich enorm verändert. Ich sehe das auch bei meinen eigenen Kindern: Aussehen spielt eine sehr große Rolle, leider eine viel zu große. Aber es ist eine Entwicklung, die sich kaum noch aufhalten lässt. Es gibt zudem Studien, die zeigen, dass Menschen, die als attraktiver gelten, oft auch erfolgreicher sind. Das möchte ich gar nicht propagieren – ich finde diese Entwicklung eher problematisch.
 


Durch die starke Sichtbarkeit in den Medien wachsen die Begehrlichkeiten.



Gibt es bestimmte Behandlungen, die aktuell besonders gefragt sind?

Man kann sagen: Es ist alles gefragt. Zunehmend beobachten wir aber auch, dass Menschen prophylaktische Eingriffe wünschen. Es gibt vermehrt Anfragen nach Facelifts in jungen Jahren – was eigentlich absurd ist. Wenn Frauen schon mit 30 kommen und von einer „ausgeprägten Jawline“ sprechen, zeigt das, wie präsent solche Begriffe inzwischen sind. Solche Anfragen nehmen definitiv zu. Natürlich führen wir bei einer 35‑jährigen Person mit straffer Haut kein Facelift durch, aber die Nachfrage ist da. Gleichzeitig ist das Thema Unterspritzungen weiterhin sehr präsent. Klassische Methoden wie Hyaluron oder Botox sind nach wie vor gefragt, aber es kommen auch immer neue, teils fragwürdige Trends hinzu, etwa Behandlungen mit Lachssperma. Insgesamt ist der Markt enorm gewachsen. Es gibt große internationale Kongresse wie die International Conference on Aging Skin, die eher Industriemessen gleichen: mit 20.000 Teilnehmenden und einer Vielzahl an Herstellern, die ihre Produkte präsentieren.

Verfolgen Sie solche Messen, um frühzeitig Trends zu erkennen?

Ich komme ursprünglich aus der plastisch-chirurgischen Praxis und operiere vor allem Brüste, Gesichter und Nasen. In unserer Praxis bieten wir aber auch nichtoperative und minimalinvasive Behandlungen an – zumindest einen Teil davon. Entsprechend verfolgen wir natürlich, in welche Richtung sich der Markt entwickelt.

Manches erscheint dabei durchaus übertrieben. Gleichzeitig ist die Welt globaler geworden: Viele Einflüsse kommen etwa aus Korea und anderen Teilen Asiens – mit Schönheitsidealen wie Glass Skin, einem fast kindlich-jugendlichen Aussehen oder bestimmten Gesichtsformen. Solche Trends verbreiten sich heute viel schneller und internationaler als früher. Früher war das stärker lokal geprägt. Heute ist – nicht zuletzt durch soziale Medien – alles enger zusammengerückt. Auch Vorstellungen von Schönheit gleichen sich weltweit zunehmend an. Gleichzeitig ist der Wunsch, gut auszusehen, kein neues Phänomen: Den gab es schon immer, im letzten Jahrhundert genauso wie davor.
 


Auch Vorstellungen von Schönheit gleichen sich weltweit zunehmend an.



Das führt dann dazu, dass sich die Menschen immer ähnlicher sehen.

Absolut. Man sieht schon jetzt, dass sich bestimmte Typen stark angleichen. Gerade bei jungen Frauen, gibt es sehr ähnliche Looks, etwa stark betonte, breite Augenbrauen. Früher wurden die Augenbrauen eher schmal gezupft, heute sind es breite, markante Formen. Es ist unheimlich angeglichen, sodass man den Eindruck hat, alle sehen gleich aus.

Was würden Sie aus Ihrer Erfahrung sagen: Welche minimalinvasiven Eingriffe bergen für Patientinnen und Patienten die größten Risiken?

Die größten Risiken sehe ich bei Behandlungen, die eine Kollagenneubildung versprechen. Das ist etwas, das ich am liebsten verbieten würde – auch, wie es von der Industrie vermarktet wird, etwa unter Begriffen wie „Biostimulatoren“. Das klingt bewusst positiv und spricht bestimmte Zielgruppen an, ist aus meiner Sicht aber problematisch. Die Idee dahinter ist, durch Injektionen unter der Haut die Bildung von Kollagen anzuregen. Tatsächlich passiert jedoch etwas anderes: Es wird eine Entzündungsreaktion ausgelöst, die zur Narbenbildung führt – und Narben bestehen ebenfalls aus Kollagen. Diese Vernarbungen können dazu führen, dass die Haut straffer wirkt. Ein Beispiel ist Polymilchsäure: eine Substanz, die unter die Haut gespritzt wird und eine starke Reaktion im Gewebe hervorruft. Der Straffungseffekt entsteht dann eher als Nebenprodukt dieser Reaktion. Solche Verfahren, die eine Hautstraffung durch Injektionen versprechen, halte ich für besonders riskant. Sie sind aus meiner Sicht auch für einen Großteil der Komplikationen verantwortlich.

Auch Hyaluron und Botox haben ein gewisses Risiko. Was ist zunächst der Unterschied zwischen den beiden Behandlungen?

Ja, da ist ein großer Unterschied. Botox, also Botulinumtoxin, hat zwar einen schlechten Ruf als „Gift“, ist aber kein Zellgift. Es handelt sich vielmehr um ein Medikament mit sehr spezifischer Wirkweise. Es wirkt als Hemmstoff an der motorischen Endplatte der Muskulatur. Dadurch lassen sich gezielt bestimmte Muskelgruppen entspannen beziehungsweise vorübergehend lähmen. In der ästhetischen Anwendung bedeutet das zum Beispiel, dass mimische Bewegungen reduziert werden, etwa an der Stirn oder bei den sogenannten Krähenfüßen, wodurch sich die Haut glättet. Darüber hinaus wird Botulinumtoxin auch medizinisch eingesetzt, etwa bei übermäßigem Schwitzen: Wird es in die Haut, zum Beispiel in der Achselhöhle, injiziert, kann es die Aktivität der Schweißdrüsen reduzieren.

Gegen Kopfschmerzen soll es auch helfen …

Die Wirkung entsteht im Grunde dadurch, dass durch die muskuläre Entspannung der Druck auf Gewebe, Nervenfasern und Gefäße nachlässt. Botulinumtoxin ist auch als Medikament zugelassen, und in fachkundigen Händen kann man damit sehr gezielt und sinnvoll arbeiten. Natürlich kann man es auch übertreiben, etwa wenn man versucht, das ganze Gesicht zu lähmen. Wichtig ist: Botox hat keinen Fülleffekt. Tieferliegende Falten – wie etwa die Nasolabialfalte – lassen sich damit nicht „auffüllen“. Es handelt sich um einen sogenannten Neuromodulator, also einen Wirkstoff, der gezielt in die Nerven-Muskel-Kommunikation eingreift. Richtig eingesetzt, ist das Risiko vergleichsweise gering.

Anders ist es bei Hyaluronsäure: Sie lässt sich leichter vermarkten und ist in der Herstellung vermutlich günstiger. Zwar wird oft argumentiert, dass Hyaluronsäure auch im Körper vorkommt – etwa in Gelenken oder im Knorpel –, doch die injizierte Substanz ist synthetisch hergestellt und wirkt im Körper wie ein Fremdstoff. Entsprechend kann es zu Reaktionen kommen. Der Effekt beruht hier auf dem Auffüllen von Gewebe. Kurzfristig kann das ästhetisch überzeugen, wie etwa bei Dr. Rick und Dr. Nick, die damit Nasen strukturell verändern, langfristig zeigen sich jedoch häufig Probleme. Das Material verteilt sich, es kann zu Entzündungen kommen, und die Ergebnisse sind oft nicht dauerhaft stabil.

Ich beobachte seit vielen Jahren, dass gerade wiederholte Filler-Behandlungen zu chronischen Veränderungen führen können, die zunächst unter der Haut bleiben und erst später sichtbar werden – etwa durch Rötungen oder Schwellungen. Das führt mit der Zeit häufig zu einem unnatürlichen Erscheinungsbild. Gerade bei älteren Frauen sieht man es, wenn die Augen immer kleiner werden und das Gesicht immer unnatürlicher wirkt. Deshalb verwende ich solche Filler heute fast gar nicht mehr.

Es gibt derzeit den Trend, dass sich Gesichter, etwa in Hollywood, wieder verändern: Viele lassen Filler offenbar auflösen. Ist es tatsächlich so einfach, Hyaluronsäure wieder zu entfernen?

Gar nicht, überhaupt nicht. Es wird im Grunde nur verflüssigt, das wird oft falsch dargestellt. Die Substanz löst sich ja nicht einfach in Luft auf. Stattdessen werden die Verbindungen aufgebrochen, sodass sie flüssiger wird und sich im Gewebe verteilt. Ein Teil wird vom Körper aufgenommen, aber vollständig verschwindet das Material nicht – und mögliche Folgen auch nicht. Deshalb sehe ich das kritisch, wenn gesagt wird: „Man kann es ja einfach spritzen und im Zweifel wieder auflösen.“ So einfach ist es aus meiner Sicht nicht.

Kommen die Patient:innen mit konkreten Bildern in die Praxis? Und haben sich diese Referenzen in den letzten Jahren verändert?

Natürlich bringen Patientinnen und Patienten gelegentlich Bilder mit. Das kann hilfreich sein, um Vorstellungen zu verstehen. Wenn diese jedoch unrealistisch sind – etwa stark bearbeitete Bilder von Prominenten – ,sprechen wir das klar an. Gerade wenn Proportionen oder auch individuelle Voraussetzungen ganz anders sind, lässt sich ein solches Ergebnis nicht einfach übertragen. Nicht jede kann aussehen wie Selena Gomez. Vor allem bei sehr jungen Patient:innen versuchen wir, solche Wünsche einzuordnen und gegebenenfalls auch davon abzuraten. Grundsätzlich behandeln wir ungern Personen unter 20, und zum Glück kommt das auch nicht häufig vor.
 


Altern ist aus meiner Sicht nicht automatisch etwas Negatives – ich halte es für problematisch, dass es oft so dargestellt wird.



Der Trend geht eher in Richtung Natürlichkeit. Macht das das Schönheitsideal nicht sogar schwieriger, weil man oft gar nicht mehr erkennt, wer etwas hat machen lassen und wer nicht?

Ja, klar. Dazu kommt die massive Bildbearbeitung, die heute überall präsent ist. Menschen zeigen sich im besten Licht, in der Realität sehen sie oft ganz anders aus. Durch die permanente Präsenz, etwa auf Plattformen wie Instagram, werden solche Bilder ständig konsumiert. Das weckt Begehrlichkeiten: Man möchte auch so aussehen, sich verändern, möglichst jung bleiben. Altern ist aus meiner Sicht nicht automatisch etwas Negatives – ich halte es für problematisch, dass es oft so dargestellt wird. Trotzdem spüren viele diesen Druck. Es betrifft nach wie vor mehr Frauen als Männer, aber auch bei Männern nimmt das Thema zu.

Wie würden Sie Ihre Patient:innen beschreiben, etwa in Bezug auf das Alter?

Ich habe zum Glück nicht viele sehr junge Patient:innen. Das liegt auch daran, dass ich selbst nicht besonders aktiv in den sozialen Medien bin und dort keine aggressive Werbung mache. Wir haben ohnehin genug Anfragen, weil wir schon lange am Markt sind und auch viele Korrekturen durchführen. Wir sind gewissermaßen auch als „Reparaturwerkstatt“ bekannt. Die Hauptklientel liegt zwischen 30 und 60 Jahren, mit einem Schwerpunkt bei Frauen. Für Eingriffe wie Lidkorrekturen oder Facelifts liegt der typische Altersbereich meist zwischen Anfang 40 und Anfang 50.

Ihr Instagram-Account hat über 5.000 Follower:innen. Gibt es für Sie No-Gos beim Posten?

Ich mache das selbst. Viele Kolleginnen und Kollegen lassen sich beraten oder beauftragen Agenturen, aber ich mache das frei nach Gefühl. Wenn ich etwas zu einem Thema sagen möchte, dann poste ich das – ohne Angeberei, ohne künstliche Inszenierung. Also nicht: „Schaut mal hier, die beste Brust, die tollste Nase“. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen machen das leider anders und sind permanent online, dokumentieren jeden Schritt.

Sie nutzen Social Media also, um zu informieren?

Ich habe neulich ein Video gemacht, das ganz gut ankam. Darin ging es darum, dass nichts so wichtig ist wie Erfahrung. Wenn man zu einem ganz tollen, schicken jungen Arzt geht, der vielleicht gerade eine neue Praxis in Köln oder Düsseldorf eröffnet hat, muss man sich klarmachen: Diese Person kann noch nicht über so viel Erfahrung verfügen. Und aus der Erfahrung wächst im Prinzip die Gewissheit, dass man manche Dinge tun kann oder nicht. Am Anfang denkt man oft, vieles sei möglich. Aber wenn man Patientinnen und Patienten über längere Zeiträume begleitet – ein, zwei oder mehr Jahre –, erkennt man erst, wo die Grenzen liegen und welche Eingriffe sinnvoll sind und welche nicht. Deshalb sage ich auch: Um wirklich sicher zu arbeiten, braucht es viele Jahre Erfahrung. Ich würde sagen, mindestens zehn Jahre in der ästhetischen Medizin – auch, um Komplikationen gesehen zu haben und daraus zu lernen. Nur so entwickelt man ein Gefühl dafür, was funktioniert, was Risiken birgt und was man besser lassen sollte.

Wo sehen Sie die Verantwortung von Influencer:innen und Plattformen? 

Früher kamen zu Gesundheitsthemen vor allem ausgewiesene Fachleute zu Wort – etwa Universitätsprofessor:innen oder sehr erfahrene Ärzt:innen –, die ihre Aussagen auf Studien, Evidenz und langjährige Praxis gestützt haben. Heute kann im Prinzip jede und jeder Inhalte veröffentlichen, und oft entscheidet die Zahl der Follower:innen darüber, wie viel Gewicht diesen Aussagen beigemessen wird. Das halte ich für eine problematische Entwicklung. Die Folge ist eine enorme Informationsflut, in der es immer schwieriger wird, verlässliche von weniger fundierten Inhalten zu unterscheiden. Im Medizinstudium werden Eingriffe wie Unterspritzungen in der Regel nicht vermittelt. Trotzdem treten manche sehr selbstbewusst auf, präsentieren sich professionell und erreichen ein großes Publikum.

Sehen Sie, wenn wir auf Beauty-Formate im Fernsehen schauen, auch Chancen?

Ja, manchmal schon. Wenn solche Formate seriös und differenziert gemacht sind, können sie auch Chancen bieten. Sie können Menschen auf Möglichkeiten aufmerksam machen, von denen sie nichts wussten und die im besten Fall auch die Lebensqualität verbessern. Trotzdem bleibt es ein Geschäft.
 


Beauty-Formate können Menschen auf Möglichkeiten aufmerksam machen, von denen sie nichts wussten und die im besten Fall auch die Lebensqualität verbessern. 



Es gibt auch Formate, in denen misslungene Schönheitsoperationen korrigiert werden. Die haben zum Teil einen aufklärerischen Charakter, weil man sieht, was passieren kann.

Das kann durchaus sinnvoll sein. Kürzlich gab es einen Fall, der in den sozialen Medien als Erfolgsgeschichte präsentiert wurde. Tatsächlich ist der Eingriff aber massiv schiefgegangen und die Patientin hat stark darunter gelitten. Wir hatten die Patientin bei uns und haben den Schaden korrigiert. Begleitet wurde das von der FAZ. Dieser Artikel war sehr informativ und aufklärend!

Generell wird es aus meiner Sicht problematisch, wenn Medienformate zu reißerisch werden. Dann treten teilweise sehr medienaffine Ärztinnen und Ärzte auf, die sich als „Retter“ inszenieren, das wirkt mitunter überzogen. Es gibt Kliniken, die vor allem durch ihre Medienpräsenz bekannt sind, obwohl sie fachlich in den einschlägigen Fachgesellschaften kaum eine Rolle spielen. Auch Fälle wie Gina-Lisa Lohfink, bei denen misslungene Eingriffe öffentlich aufgearbeitet werden, sind oft stark medial inszeniert. Da wird viel Aufmerksamkeit erzeugt, und nicht immer ist klar, wie ausgewogen oder seriös die Darstellung tatsächlich ist.

Fallen solche extremen Veränderungen nicht fast schon in den Bereich der Body-Modification?

Ja, das geht teilweise schon in diese Richtung. Das ist ein bisschen vergleichbar mit der sogenannten Tanorexie, also Menschen, die einen krankhaften Drang haben, ins Solarium zu gehen. Sie sind objektiv sehr gebräunt, nehmen sich selbst aber als „zu blass“ wahr, sobald sie eine Woche mal nicht hingehen. Ein ähnlicher Mechanismus kann auch bei ästhetischen Eingriffen auftreten: Der Blick für das eigene Erscheinungsbild verschiebt sich. Bei sehr ausgeprägten Veränderungen – etwa extrem großen Brüsten oder stark betonten Lippen, wie beispielsweise bei Gina-Lisa Lohfink – entsteht dann oft der Wunsch nach immer weiterer „Optimierung“. Das Problem ist: Die Wahrnehmung verändert sich, während der Wunsch nach Optimierung bestehen bleibt oder sogar stärker wird. Dadurch können Entscheidungen entstehen, die von außen kaum noch nachvollziehbar sind.

Und die Gesundheitsrisiken kommen auch noch dazu …

Ja, das ist den Leuten teilweise wirklich egal. Ich habe viele Patient:innen mit Nasenkorrekturen, denen sage ich: „Wenn die Nase noch kleiner wird, bekommen Sie Probleme mit der Atmung.“ Und dann kommt die Antwort: „Die Luft ist mir egal, sie muss kleiner werden.“ Da versuche ich natürlich dagegenzuhalten. Aber oft merkt man schon in den ersten fünf Minuten, ob man jemanden noch überzeugen kann oder nicht. 

Dr. med. Nuri Alamuti ist Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie. Er ist Mitglied in mehreren Fachgesellschaften der Plastischen Chirurgie und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC). Darüber hinaus ist er als Ausbilder in der Facharztausbildung des Berufsverbands der Deutschen Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) tätig.

Eva Lütticke studierte Medienwissenschaften (M.A.) an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Zurzeit arbeitet sie als Redakteurin bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF).