Dokumentarfilm-Hype
Warum bestimmte Formate in Kino, TV und Stream dominieren
Um den im Folgenden angestrebten Überblick über die Formate im aktuellen Doku-Hype strukturieren zu können, beziehe ich mich auf die kluge Klassifikation, die die Dokumentarfilmregisseurin und ‑dozentin Martina Döcker (2012) zu den grundlegenden Stilrichtungen des Dokumentarfilms ausgearbeitet:
- Der klassische Dokumentarfilm zeichnet sich durch die Methode der teilnehmenden Beobachtung aus. Legendär für das Genre sind Filme wie Robert J. Flahertys Nanook of theNorth (USA 1922) oder Claude Lanzmanns Shoah (F 1985). Beobachtende Momente können z. T. auch für die Kamera nachgestellt sein wie bei Flaherty oder verbinden sich mit Zeitzeugeninterviews wie bei Lanzmanns neunstündiger Aufarbeitung der Holocaustverbrechen. Hinzu kommen in der klassischen Doku häufig erläuternde Bild-Text-Strecken mit verbalem Kommentar.
- Dokumentarische Porträt-Filme nutzen alle Formen und Mittel des klassischen Dokumentarfilms, um die Geschichte einer authentischen Person darzustellen. Sie sind weniger themen-, sondern stärker figurenzentriert.
- Reportage wie auch Porträt sind häufige Formen des Fernsehjournalismus (Hißnauer 2011). Bei der Reportage steht die Recherche zu einem Sachverhalt oder Thema im Mittelpunkt. Hierbei können neben Expert:innen auch Passantinnen und Passanten in spontanen Straßenumfragen zu Wort kommen.
- Im Kompilationsfilm wird ausschließlich mit dokumentarischem Filmmaterial gearbeitet. Die Bildmontage wird durch einen Kommentar geklammert, der auch verbale Interviewpassagen von Personen einbeziehen kann. Die Interviewten sind nicht im Bild zu sehen.
Döcker benennt noch drei weitere Stilrichtungen: Essayfilm, Direct Cinema und die Mockumentary (vgl. Barg 2026, S. 272 f.). Sie sind für unsere Betrachtungen aber nicht relevant.
Trailer Nanook of theNorth (Peter Urpeth, 24.10.2016)
Aktuelle Situation
Misst man Döckers Stilsystematik an der aktuellen Dokumentarproduktion in Kino, TV und Stream, so wird schnell deutlich, dass es der klassische Dokumentarfilm weiterhin eher schwer hat, besonders im Kino. Die Folge geringer Budgets sind geringere Schauwerte und damit letztlich eine geringere Aufmerksamkeit seitens des Publikums. Gleichwohl können deutsche Kino-Dokus als Beitrag zu einer gerade aktuellen gesellschaftlichen Debatte punkten wie z. B. Das Deutsche Volk (D 2025/26) von Marcin Wierzchowski, der den rassistischen Anschlag in Hanau von 2020 mit und aus der Sicht der Hinterbliebenen und Überlebenden aufarbeitet.
Häufig finden klassische Dokumentarfilme aber gar keinen Verleih und laufen, wenn sie TV-Koproduktionen sind, „nur“ im Fernsehen. Früher verschwanden interessante Dokumentationen oft im Spätprogramm, erhalten aber seit einiger Zeit durch die Präsenz in Mediatheken größere Aufmerksamkeit.
Melania
So sind es hier immer wieder US-Produktionen, die für Furore sorgen. Das Amazon-eigene MGM-Studio produzierte für ein zuvor nie dagewesenes Doku-Budget von 40 Mio. US-Dollar einen Film über Trumps Frau, Melania (USA 2026), um die Fans der MAGA-Bewegung ins Kino zu locken. Mit offensichtlich mäßigem Erfolg beim Publikum in den USA und ohne jeden Erfolg bei Publikum und Kritik in Europa und in Deutschland. (vgl. Die Redaktion 2026; Spiegel Kultur 2026). Kritiker Heiko Denker (2026) nennt den Film in der „Berliner Morgenpost“ sogar ein „gigantisch aufgeblasenes Garnichts“. Doch die Darstellung der luxuriösen Welt von Mrs. Trump in den 20 Tagen vor der zweiten Amtseinführung ihres Mannes als US-Präsident, bestehend aus Fashion, Design, Lifestyle, Kirche und Familie, hat durchaus Methode. Melania präsentiert den Traum vieler Trump-Wählerinnen, auch an der Seite eines reichen Mannes so ein Leben wie Melania Trump führen zu können. So unternimmt der Film von Brett Ratner den Versuch, klassisch konservative, aber mittlerweile doch stark antiquierte Frauenbilder als weibliches Empowerment auszugeben.
Trailer Melania (Imagine Cinemas, 19.12.2025)
Obskures Objekt der Macht
Interessanterweise findet sich im Programm von Amazon Prime auch die Dokumentation Melania Trump – Dieses obskure Objekt der Macht (F 2020), in der Regisseurin Laura Haïm anhand der Entwicklung und der Auftritte von Melania Trump vor und während der ersten Amtszeit Donald Trumps genau herausarbeitet, wie Melanias Kommunikation als Marketingtool des Trump-Teams aufgebaut und genutzt wird, um Wählerinnen besonders in der Provinz für Trump zu begeistern. Ratners Film bringt dieses Melania-Marketing nun auf den Punkt, indem er vorgibt, dem Publikum Einblicke in das „wahre Leben“ der Trump-Gattin zu gewähren, wobei sein Team – zu dem Mrs. Trump als Produzentin selbst gehört – doch die Selbstinszenierung der Melania-Trump-Figur einfach abgefilmt bzw. durch Ton-Bild-Scheren in der Montage noch verdichtet.
Laura Haïm hinterfragt diese Selbstinszenierung. Sie nutzt alle Formen und Mittel des klassischen Dokumentarfilms, um das Leben der in Slowenien geborenen Melanija Knavs mit dokumentarischen Materialien, Zeitzeugen- und Experteninterviews sowie Fotos und Selbstaussagen der Person nachzuzeichnen. In Bild-Text-Strecken stellt die Regisseurin die Stationen von Melanija bzw. dann von Melania in deren Arbeit als Model in ihrer Heimat und später in New York dar. Schließlich erläutert sie die Umstände der Begegnung von Melania und Donald Trump und framt den Charakter ihrer Beziehung. Dadurch, dass die Regisseurin in den Reportageteilen ihres Films zudem weibliche Trump-Fans nach ihren parasozialen Beziehungen zu Melania und zu Trump befragt, rollt sie die Bedeutung der Frau an Trumps Seite für dessen politische Karriere auf und kommt so den politisch motivierten Methoden von Melania Trumps Selbstinszenierung auf die Spur.
Dokumentarische Porträts: Blick hinter die Fassade prominenter Menschen
Haïms Film kann in seiner Machart als geradezu prototypisch für dokumentarische Porträtfilme betrachtet werden, die maßgeblich den aktuellen Doku-Hype prägen. So waren allein bei ARTE im Zeitraum vom 2. bis 28. Mai 2026 in der Primetime 17 Doku-Porträts in der Regel mit einer Länge zwischen 45 und 60 Minuten zu sehen, darunter viele Porträts internationaler Filmstars wie Claudia Cardinale, Johnny Depp, Brad Pitt, Jeff Bridges oder Antonio Banderas sowie von Regisseur:innen wie Pedro Almodóvar, Margarethe von Trotta und den Coen-Brüdern. Zu sehen waren ebenso Porträts zu Musikern wie Miles Davis oder Klaus Mäkelä, über Bildende Künstler wie Max Beckmann oder Constantin Brâncuși sowie von historischen Personen wie Emilie Schindler. Im Unterschied zu Ratners Film umschreiben diese dokumentarischen Porträts eine Person nicht imageträchtig und unkritisch, sondern sie analysieren Situation und Werdegang der Person mit journalistischem Blick und mit Methoden der Recherche, des Interviews und der Reportage.
Ähnliche dramaturgische Strukturen
Vergleicht man mehrere dieser TV-Porträts, so zeigt sich, dass sie in ihrer dramaturgischen Machart stets ähnlich konstruiert sind. Am Beginn steht eine Recherchefrage, die in der Regel von der aktuellen Situation der Person ausgeht, manchmal aber auch nach den Gründen für Brüche in der Biografie der Person fragt. Die Ausgangsfrage gibt den Impuls, das Porträt mit biografischen Daten und in chronologischer Folge zu starten:
- In Haïms Film bezeichnet die Ich-Kommentatorin gleich zu Beginn Melania Trump als die „geheimnisvollste First Lady der Welt“ und bekennt: „Die Frau hinter dem aufgesetzten Lächeln ist mir bis heute ein Rätsel.“ Dieses Rätsel versucht die Regisseurin in ihrer Dokumentation zu lösen.
- In Jeff Bridges und „The Dude“ – Coole Aura, später Ruhm (F 2025) geht Realisator Charles-Antoine de Rouvre der Frage nach: „Warum ist ein so großer Schauspieler wie Jeff Bridges bei so vielen Zuschauern unbekannt?“
- In In den Augen von Johnny Depp (F 2022) spürt Régis Brochier hinter den vielen Gesichtern, die Johnny Depp in seinen Rollen gezeigt hat, dem wahren Ich des Schauspielers nach.
- Seine Physis machte Brad Pitt von Anbeginn an zum männlichen Sexsymbol im Kino. Stand ihm dieses Image im Wege oder war es für seine Karriere hilfreich? Die Frage beantworten Adrien Dénouette und Thibaut Sève in ihrem Porträt Brad Pitt – Die Revanche eines Sexsymbols (F 2022). Hierbei zeigen sie auch, wie Pitt die persönliche Krise seiner Ehe mit Angelina Jolie verändert hat und welche Konsequenzen dies für seine Rollenauswahl und Spielweise hatte.
Den Menschen hinter dem Image und der Fassade des Stars zu zeigen, das ist das Anliegen all dieser dokumentarischen Porträt-Filme. Besonders eindringlich gelingt dies in der ARTE-Dokumentation Claudia Cardinale, die italienische Filmdiva (F 2019), der die bislang kaum bekannte, sehr anrührende private Lebensgeschichte des Stars aufrollt.
Brad Pitt – Die Revanche eines Sexsymbols (Irgendwas mit ARTE und Kultur, 05.04.2026)
Porträts aus zweiter Hand
Dabei fällt allerdings hier wie in allen genannten Porträts auf, dass die Produktionen keine aktuellen Gespräche mit den Porträtierten einbeziehen. So bleibt den Macherinnen und Machern in der Regel nur der Rückgriff auf die Selbstaussagen der Prominenten, die sie in früheren Interviews, z. B. in Talkshows oder in anderen Dokumentarfilmen gemacht haben. Diese kompilieren sie in ihren Montagen mit entsprechendem dokumentarischem Material, mit Filmausschnitten etc. Manche Schlussfolgerungen, die dann im Kommentar aus den durchaus interessanten Blicken auf das Schaffen und Privatleben der Künstler und Künstlerinnen gezogen werden, sind daher zwangsläufig spekulativ. Es fehlt der Gegencheck durch die Porträtierten selbst. Diese dokumentarischen Porträts bleiben journalistische Draufschau, sind keine Innensicht. Sie zu erhalten gelingt nur wenigen und ungleich aufwendigeren Dokumentarfilmen, deren Regisseure sich auf aktuelle, oft stundenlange Interviews mit den Porträtierten stützen können.
Interviewgestützte Doku-Porträts
Um diese Interviews überhaupt führen zu können, braucht es den persönlichen Zugang zum Subjekt ihrer Betrachtung. So wie bei dem italienischen Regisseur Giuseppe Tornatore, den eine jahrelange Freundschaft mit dem Filmkomponisten Ennio Morricone verband. Für Tornatores größten Kinoerfolg Cinema Paradiso (I 1988) schrieb Morricone die Filmmusik. 2019/20 drehte Tornatore dann mit dem Komponisten einen Dokumentarfilm über dessen Werk und Werdegang. Kurz nach dem Ende der Dreharbeiten zu Ennio Morricone – Der Maestro starb Morricone im Alter von 91 Jahren. Tornatores Dokumentarfilm wurde Morricones Vermächtnis.
Trailer Ennio Morricone: Der Maestro (KinoCheck Indie, 01.11.2022)
Ausführlich spricht der Tonkünstler im Film über seine Ideen und Konzepte, wie er Filmmusik macht, aber auch über seine Familie, seinen Werdegang und seine künstlerischen Wurzeln. In Crossover-Montagen bestätigen, ergänzen, manchmal kontrastieren Weggefährten Morricones Aussagen. Viele Regisseure und Schauspieler wie Bernardo Bertolucci, Lina Wertmüller oder Clint Eastwood kommen zu Wort. Morricone, selbst Trompeter, beherrschte die klassische Musik ebenso wie die Komposition populärer Schlagermusik oder von Stücken experimenteller Musik. All diese Einflüsse, so zeigt es Tornatores kurzweilige Kinodoku anhand zahlreicher Filmausschnitte, fließen ein in legendäre Soundtracks von Filmen wie Spiel mir das Lied vom Tod (I/USA 1968), Sacco & Vanzetti (I/F 1971) oder eben auch Cinema Paradiso.
Siri Hustvedt – Dance Around the Self
Deutlich persönlicher geht es in Sabine Lidls Film Siri Hustvedt – Dance Around the Self (D 2026) zu. 2019 hatte die Regisseurin bereits ein Porträt über Paul Auster gedreht und so das Vertrauen des Schriftstellerehepaars Auster/Hustvedt gewonnen. 2022 begannen die Dreharbeiten mit Siri Hustvedt in New York. Sie wurden nicht nur dadurch überschattet, dass Paul Auster ein halbes Jahr später seine Krebsdiagnose bekam und 2024 starb. Bei Beginn der Filmarbeiten waren auch gerade Austers Sohn und sein Enkelkind verstorben (vgl. Schmid 2026).
Gleichwohl erliegt Lidl nicht der Versuchung, das Thema Tod in den Mittelpunkt zu rücken. Sie lässt in der ersten Hälfte des Films ausführlich Siri Hustvedt zu Wort kommen, die ihren eigenen Weg zum Schreiben, ihre Motive, ihre Absichten erläutert. Weggefährtinnen und Familienmitglieder flankieren Hustvedts Aussagen. Im zweiten Teil rückt die Bedrohung der Familie durch Pauls Tod stärker ins Zentrum der Betrachtung, die aber stets bei Hustvedts Perspektive bleibt. Lidl hält die nötige Distanz, um einen mitreißenden, aber keinen rührseligen Film zu erschaffen, der 2026 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde.
Trailer Siri Hustvedt – Dance Around the Self (X Verleih AG, 23.01.2026)
Mr. Scorsese
Doch nicht nur im Kino, auch im Stream sind vermehrt sehenswerte interviewgestützte serielle Doku-Formate zu sehen. Ähnlich wie Tornatore konnte auch Rebecca Miller, Regisseurin und künstlerisches Multitalent, durch ihre Freundschaft zum scheuen, zurückhaltenden Martin Scorsese dessen Vertrauen gewinnen. Er gewährte ihr den uneingeschränkten Zugang zu seinem Privatarchiv. Dort hob sie viele Schätze, die in ihrer fünfteiligen Doku-Serie Mr. Scorsese (USA 2025) bei Apple TV besichtigt werden können. Ergänzt durch Scorseses Aussagen in Millers Serie eröffnen sie viele neue Perspektiven auf sein Werk.
Ähnliches leistet z. B. Morgan Nevilles zweiteilige, gleichfalls interviewgestützte Dokumentation Steve! (USA 2024) über den Comedian, Musiker und Entertainer Steve Martin, die ebenfalls bei Apple TV zu sehen ist.
Neu aufgetauchte, unveröffentlichte Filmaufnahmen als Alleinstellungsmerkmal
Im Februar 2026 kam Baz Luhrmanns Kompilationsfilm EPiC – Elvis Presley in Concert (USA 2026) in die deutschen Kinos. Der Film verbindet neu entdeckte Filmaufnahmen, die während der Auftritte von Elvis Presley in Las Vegas 1970 und einer Tournee des Popstars durch die USA 1972 aufgenommen wurden, mit Tonbandaufnahmen, in denen Elvis Presley seine Gefühle während seiner Performances in bislang unbekannter Weise offen und ehrlich kommentiert. Baz Luhrmanns Film markiert die Spitze eines Eisbergs von Kompilationsfilmen, die besonders im Stream immer aufs Neue alte Geschichten mit neuen Bildern und Tönen neu erzählen.
Bei Apple TV rollt Regisseur Nick Holts John Lennon: Murder Without a Trial (USA 2023) das Geschehen um John Lennons Ermordung am Abend des 8. Dezember 1980 mit bislang nicht bekannten Aussagen von Zeugen, Ermittlern und Freunden neu auf. Und bei Amazon Prime erläutern Paul McCartney, seine Frau Linda und viele Weggefährten in dem Kompilationsfilm Paul McCartney: Ein Mann auf der Flucht (USA 2026) ausschließlich aus dem Off, warum der Beatle mit seiner Familie mehrere Monate verschwunden blieb, nachdem 1970 die Nachricht publik geworden war, seine Band würde sich auflösen. Wiederum in der Regie von Morgan Neville wird in der Amazon-MGM-Produktion ausgehend von diesem für McCartney einschneidenden Lebensabschnitt der weitere künstlerische Werdegang des Musikers nachgezeichnet.
Trailer EPiC: Elvis Presley in Concert (KinoCheck Indie, 02.02.2026)
Fazit
Bilanziert man die Analysen zu den zuvor beschriebenen Filmen, TV- und Streamingbeiträgen und -serien, so fällt auf, dass sich die im Trend liegenden Doku-Porträts und Kompilationsfilme stark auf Künstlerpersönlichkeiten beziehen, die ihre hauptsächliche Schaffensperioden in den 1960er- bis 1980er-Jahren hatten. Da diese Doku-Formate offenbar stark nachgefragt werden, scheint hier eine ganze Generation ihre popkulturellen Erfahrungen und Erinnerungen aufarbeiten bzw. jüngere Generationen auf diese kulturhistorisch so reiche Epoche aufmerksam machen zu wollen. Kino, TV und Stream liefern ihnen hierfür die Anschauungsobjekte, bedienen den Hype eines Publikums, das in einer Zeit, in der jedes Bild und jeder Ton gefälscht sein kann, im Dokumentarischen Authentizität und Echtheit sucht. Demgegenüber wurde gezeigt, dass auch dokumentarischen Formaten Manipulation und Spekulation innewohnen können, also stets ebenso kritisch zu betrachten sind wie die Fiktion des Spielfilms oder das Reel oder Bild eines Instagram-Posts.
Weiterhin fällt auf, dass politische Themen – ursprünglich eines der genuinen Themenfelder des Dokumentarfilms – kaum mehr auftauchen. Sie werden überwiegend tagesaktuell in Politik- und Sozialreportagen des Fernsehens abgearbeitet. Kritische investigative journalistische Dokumentarfilme wie The Bibi Files: Die AkteNetanjahu (USA 2024) von Alexis Bloom, in denen erstmals Filmaufnahmen aus den Polizeiverhören zum Korruptionsverdacht gegen den israelischen Ministerpräsidenten gezeigt werden, sind mittlerweile eher Ausnahmen in den Programmen, was durchaus nachdenklich stimmt.
Quellen:
Barg, W. C.: Medienanalyse. Baden-Baden 2026
Denker, H.: Gigantisch aufgeblasenes Garnichts. „Melania“: Der schlechteste Film des Jahres – dabei ist es erst Januar. In: Berliner Morgenpost, 31.01.2026. Abrufbar unter: www.morgenpost.de (letzter Zugriff: 08.07.2026)
Die Redaktion: Kritiken zum Film „Melania“ veröffentlicht – das sagen die Experten. In: Diebewertung.de, 31.01.2026. Abrufbar unter www.diebewertung.de (letzter Zugriff: 08.07.2026)
Döcker, M.: Der Dokumentarfilmgott schläft. Über sieben Richtungen im Dokumentarfilm. In: K. Hoffmann/R. Kilborn/W. C. Barg: Spiel mit der Wirklichkeit. Zur Entwicklung doku-fiktionaler Formate in Film und Fernsehen. Konstanz 2012, S. 51–72
Hißnauer, C.: Fernsehdokumentarismus. Theoretische Näherungen, pragmatische Abgrenzungen, begriffliche Klärungen. Konstanz 2011
Schmid, P.: Sabine Lidl über ihrer Hustvedt-Doku: „Nicht nur ein tragischer Film“. In: NDR, 04.04.2026. Abrufbar unter: www.ndr.de (letzter Zugriff: 08.07.2026)
Spiegel Kultur: „Melania“ spaltet Kritik und Publikum wie kein Film zuvor. In: SPIEGEL Kultur, 07.02.2026. Abrufbar unter: www.spiegel.de (letzter Zugriff: 08.07.2026)
