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Medienerziehung in der digitalen Welt (2. Aufl.)

Grundlagen und Konzepte für Familie, Kita, Schule und Soziale Arbeit

Sandra Fleischer, Daniel Hajok (Hrsg.)

Stuttgart 2025: Kohlhammer
Rezensent/-in: Sabine Sonnenschein

Buchbesprechung

Online seit 21.11.2025: Link

Medienerziehung in der digitalen Welt

Die Rahmenbedingungen der Medienerziehung haben sich in den vergangenen sechs Jahren deutlich verändert – durch den von der Covid-Pandemie ausgelösten Digitalisierungsschub ebenso wie durch die Dynamik von Desinformation und KI-Entwicklung. Dies veranlasste das Herausgeberteam Sandra Fleischer-Templin und Daniel Hajok, eine zweite, überarbeitete Auflage ihres 2019 erschienenen Sammelbandes vorzulegen. Viele Beiträge wurden überarbeitet und um neue Fragestellungen ergänzt. Mit vier zusätzlichen Texten und rund 70 Seiten mehr bietet der Band einen fundierten Einblick und eine aktuelle Orientierung im weiten Handlungsfeld der Medienerziehung.

Die 18 Beiträge renommierter Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Praxis beleuchten – ausgehend vom tiefgreifenden Wandel der Medien- und Lernwelten – die Auswirkungen der digitalen Transformation auf Kinder, Jugendliche und pädagogische Kontexte. Der erste von drei Teilen widmet sich den Grundlagen der Medienerziehung und eröffnet mit einer Skizze zur „Politischen Ethik des Erziehens“. Ronald Lutz wirbt darin für eine Pädagogik, die junge Menschen zu Resilienz gegenüber ökonomischen Zwängen, zu Teilhabe und Streitkultur befähigt. Die Herausgeber behandeln anschließend das Aufwachsen und die Medienerziehung in einer mediatisierten Gesellschaft und betonen die Förderung von Selbstverwirklichung, Ausdruck und Partizipation. Ansatzpunkte medienerzieherischen Handelns werden dabei differenziert entlang altersspezifischer Mediennutzungsweisen aufgezeigt. Ergänzt wird der Teil durch einen neuen Beitrag zu den Perspektiven von Eltern, Pädagogen und Jugendlichen auf Onlinerisiken (Dauer, Kosten, Inhalte, Kontakte) sowie einer Analyse des rechtlichen Rahmens, der Leitlinien für das Verhältnis von Eltern, Kindern und Staat vorgibt.

Die Teile zwei und drei thematisieren Handlungskontexte in Familie, Kita, Schule und Sozialer Arbeit. Susanne Eggert untersucht elterliche Haltungen und leitet daraus den Unterstützungsbedarf für die Elternarbeit ab, Julia Behr beschreibt Ziele und Formen medienpädagogischer Praxis in der Kita, Daniel Hajok die besonderen Herausforderungen der Kinder- und Jugendhilfe. Ein Erfahrungsbericht aus dem Projekt MEIFA – Medienwelten in der Familie und ein Praxisbeitrag des Ratgebers Schau hin! ergänzen theoretische Ansätze durch Praxiseinblicke. Neu in Band hinzugekommen sind ein Konzept zur Medienbildung im ländlichen Raum und eine Projektidee für die Arbeit mit geistig beeinträchtigten Jugendlichen. Für den schulischen Einsatz werden zudem freie Lern- und Lehrmaterialien, Kinderwebseiten und Unterrichtsangebote externer Anbieter vorgestellt.

Die gelungene Verbindung von Forschung, konzeptionellen Überlegungen und praxisorientierten Materialien macht den Sammelband gleichermaßen für Studierende wie für Fachkräfte in Schule und Jugendarbeit lesenswert.

Sabine Sonnenschein



Sandra Fleischer-Tempel/Daniel Hajok (Hrsg.): Medienerziehung in der digitalen Welt. Grundlagen und Konzepte für Familie, Kita, Schule und Soziale Arbeit. Stuttgart 2025: Kohlhammer. 289 Seiten, 36,00 Euro