Hollywood: Drehbuchautor*innen arbeiten wieder, noch keine Einigung bei den Schauspieler*innen

Seit fünf Monaten streiken Drehbuchautor*innen und Schauspieler*innen in Hollywood. Es geht vor allem um die finanzielle Beteiligung an den Streamingumsätzen. Beide Berufsgruppen haben darüber hinaus Angst, ganz oder teilweise durch Künstliche Intelligenz ersetzt zu werden. Während sich die Drehbuchautor*innen mit den Produzent*innen geeinigt haben, wurden die Verhandlungen mit den Schauspieler*innen erst einmal auf Eis gelegt.

Online seit 16.10.2023: https://mediendiskurs.online/beitrag/hollywood-drehbuchautorinnen-arbeiten-wieder-noch-keine-einigung-bei-den-schauspielerinnen-beitrag-1122/

 

 

Der Streik der Drehbuchautor*innen und der Schauspieler*innen legt seit einigen Monaten die Produktion neuer Filme in Hollywood lahm. Zum einen geht es um Geld, zum anderen um Regelungen, die Drehbuchautor*innen und Schauspieler*innen entschädigen, wenn ihre Arbeit ganz oder teilweise durch Künstliche Intelligenz (KI) ersetzt wird.
 

Mehr Geld und Schutz vor KI

Immerhin, die Hollywood-Autor*innen haben ihren Streik nun offiziell beendet. Bei der abschließenden Abstimmung über den am 26. September zwischen der Gewerkschaft und der Alliance of Motion Picture and Television Producers(AMPTP) verhandelten Vertrag stimmten 99 % für dessen Annahme, wie die Autor*innengewerkschaft Writers Guild of America West (WGA) mitteilte. Der Vertrag ist bis Mai 2026 gültig. (Vgl. dpa 2023) Er enthält Vereinbarungen über Lohnerhöhungen von 12,5 % für die meisten der Autor*innen, gestaffelt über anderthalb Jahre. Darüber hinaus gibt es höhere Zuschüsse für die Alters- und Krankenversorgung. Noch wichtiger dürfte für die Drehbuchautor*innen aber eine Regelung für den Einsatz von KI sein. (Vgl. Kelber 2023) Denn die Sorge, eines Tages wegrationalisiert werden zu können, erscheint angesichts der rasanten Entwicklung der neuen Technologie nicht aus der Luft gegriffen.

Gegen eine solche Regelung haben sich die Produzent*innen lange Zeit gewehrt, letztlich aber nachgegeben: Die Studios selbst dürfen künftig für das Verfassen von Drehbüchern oder die Entwicklung von Ideen keine KI einsetzen. Den Autor*innen ist die KI-Nutzung dagegen erlaubt, wenn sie die Zustimmung der Studios haben. Diese wiederum dürfen den Autor*innen die Verwendung aber nicht vorschreiben. Das Einbeziehen von KI in den kreativen Produktionsprozess ist deshalb so umstritten, weil bisher nicht abschließend beurteilt werden kann, wie sie sich entwickelt und wozu sie in der Lage sein wird. (Vgl. ebd.)
 

Streamingdienste müssen Auskunft über Abrufe geben

Von noch größerer Bedeutung für die Drehbuchautor*innen ist wohl, dass Streamingdienste sie künftig darüber informieren müssen, wie häufig ihre Serien abgerufen werden. Bisher wurden die Schreiber*innen finanziell nicht am Erfolg einer Serie beteiligt. Sie hatten aufgrund fehlender Zahlen keine Grundlage für Nachverhandlungen. Beim Fernsehen ist das in den USA anders: Autor*innen gefragter TV-Sitcoms wie Friends verdienen daran, solange die Serie ausgestrahlt wird.
 

Schauspieler*innen streiken weiter

Nun müssen sich die Produzent*innen mit der Gewerkschaft SAG-AFTRA einigen, die rund 160 000 Schauspieler*innen vertritt. Die Schauspieler*innen hatten sich im Juli dem Streik der Autor*innen angeschlossen. Auch sie fordern neben einer besseren Vergütung Regelung für den Einsatz von KI in der Branche. Bisher bedeutete es für Schauspieler*innen sichere Arbeit, das Gesicht eines Films zu sein, und auch für die Produzierenden war es profitabel, mit ausgewählten Stars bestimmte Zuschauer*innen-Gruppen anzulocken. Nun können Gesichter ebenso wie die Stimmen von Synchronsprecher*innen von KI simuliert werden – KI, die kein Gehalt fordert. Obwohl es mehrere Male so aussah, als wäre eine Einigung in Sicht, gestalten sich die Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft und den Produzierenden schwierig. Am 10. Oktober 2023 wurden sie erst einmal ausgesetzt.
 

Streitpunkt Erfolgsbeteiligung

Der größte Konfliktpunkt ist die von den Schauspieler*innen geforderte Beteiligung an den Erlösen der Streamingdienste. Vertreter*innen der SAG-AFTRA fordern eine zweiprozentige Gewinnbeteiligung. Die AMPTP rechnete vor, dass bei einer dreijährigen Laufzeit des Vertrages eine Gesamtbelastung von 2,4 Mrd. Dollar entstehen würde, was ihnen zufolge eine wirtschaftlich nicht tragbare Belastung darstellen würde (vgl. Müller 2023). „Blickpunkt:film“ zitiert aus einem AMPTP-Statement: „Bei allgemeinen Punkten wie Gagenerhöhungen, Schutzmaßnahmen im Hinblick auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, SVoD-Erlösbeteiligungen und Bonusleistungen bei hohen Zuschauerzahlen hat die AMPTP die gleichen Angebote gemacht, wie sie von DGA und WGA unterzeichnet wurden. SAG-AFTRA hat diese abgelehnt“ (ebd.). Die Vereinigung der Produzierenden hofft, dass „SAG-AFTRA ihre Meinung ändert und bald zu produktiven Verhandlungen zurückkehrt“ (ebd.).
 

Schauspieler*innen kämpferisch

Die US-Schauspieler*innengewerkschaft nahm mit Enttäuschung zur Kenntnis, dass die CEOs der Produktionsfirmen nicht einmal ein Gegenangebot vorlegten. Auch fühlt sich die Gewerkschaft von der Gegenseite falsch dargestellt. Dennoch gibt sie sich kämpferisch: „Unsere Entschlossenheit ist ungebrochen. Kommt mit uns zu den Streiks und Solidaritätsveranstaltungen im ganzen Land und verschafft unserer Stimme Gehör.“ (Ebd.)

Quellen:

dpa: Nach fünfmonatigem Streit. Hollywood-Drehbuchautoren stimmen neuem Tarifvertrag zu. In: FAZ.NET, 10.10.2023. Abrufbar unter: www.faz.net (letzter Zugriff: 14.10.2023)

Kelber, R.: Hollywood. Sie schreiben wieder. In: ZEIT ONLINE, 13.10.2023. Abrufbar unter: www.zeit.de (letzter Zugriff: 14.10.2023)

Müller, J.: US-Schauspielstreik. Verhandlungen zwischen SAG-AFTRA und AMPTP auf Eis gelegt. In: Blickpunkt:Film, 12.10.2023. Abrufbar unter: www.blickpunktfilm.de (letzter Zugriff: 14.10.2023)