„Sexplanation“

Die österreichische Infotainment-Serie erkundet die Vielfalt von Liebe und Sexualität

Vivien Zschammer

Vivien Zschammer ist akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Medienrecht und Medientheorie der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig. Sie promoviert in Kooperation mit der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF im Bereich der politischen Meinungsbildung durch Social Media und ist seit 2022 Prüferin bei der Frei­willigen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF).

Programm Sexplanation
 Infotainment, AT 2023
SenderMagentaTV, ab 28.07.2023

Online seit 24.08.2023: https://mediendiskurs.online/beitrag/sexplanation-beitrag-1124/

 

 

In einer Zeit, in der der offene Umgang mit Themen wie Identität, Liebe und Sexualität immer wichtiger wird, bietet die österreichische Serie Sexplanation eine erfrischende und vor allem für eine junge Zielgruppe aufschlussreiche Perspektive.

Die Serie, bestehend aus sechs kurzweiligen Episoden, taucht in die Liebes- und Lebenserfahrungen vier junger Menschen ein: Laura, Muharrem, Kati und Marco. Die vier leben zusammen in einer fiktiven Wohngemeinschaft, in der sie nicht nur ihren Alltag miteinander teilen, sondern auch ihre Erfahrungen, Gedanken und Gefühle.

Die Bewohner*innen dieser besonderen WG könnten kaum unterschiedlicher sein, wenn es um Liebe und Beziehungen geht. Die transgeschlechtliche Laura führt eine monogame Partnerschaft, während der homosexuelle Muharrem die Vielfalt unterschiedlicher Sexualpartner schätzt. Kati und Marco hingegen loten die Facetten einer offenen Beziehung aus. Die Freuden und Unsicherheiten, die damit einhergehen, teilen die vier in offenem und einfühlsamem Austausch miteinander.
 

Trailer Sexplanation (MagentaTV, 28.07.2023)



Die Themen, die dabei zur Sprache kommen, sind von gesellschaftlicher Relevanz und dennoch allzu oft noch immer von Tabus umgeben oder fehlinterpretiert. Laura, Muharrem, Kati und Marco setzen sich ohne Scheu mit Fragen der sexuellen und geschlechtlichen Identität auseinander, sie diskutieren Konsens in zwischenmenschlichen Beziehungen und Begegnungen, erkunden sexuelle Neigungen und Vorlieben, beleuchten verschiedene Formen des Beziehungslebens und betrachten auch die Aspekte sexueller Gesundheit und Verantwortung. Dieser ehrliche Dialog zwischen den Charakteren schafft eine Atmosphäre des Verständnisses und der Akzeptanz und trägt dazu bei, Vorurteile abzubauen und stereotype Vorstellungen zu hinterfragen.

Begleitet wird das WG-Leben von Moderatorin Franzi Lindenthaler, die die Erfahrungen der WG-Bewohner*innen in einen wissenschaftlichen Kontext setzt. Sexplanation findet so eine Balance zwischen Unterhaltung und Bildung. Die authentischen Geschichten der Charaktere und ihre fesselnden Erlebnisse machen die Serie leicht zugänglich und ansprechend, während das Präsentieren von Statistiken und das Einbeziehen zahlreicher Expert*innen eine neutrale und sachliche Perspektive schaffen.


Freigegeben ab …
 

Sexplanation richtet sich vor allem an ältere Kinder und Jugendliche. Die episodenweise wechselnden Themen werden sachlich und offen behandelt, ohne Botschaften, die auf 12-Jährige nachteilig wirken könnten. Im Gegenteil: Das Aufklärungsformat wirbt viel eher für mehr Verständnis und Akzeptanz gegenüber unterschiedlichen Identitäts- und Lebensentwürfen, aber auch sexuellen Vorlieben und Neigungen.

Sexualität wird nicht mit Ekel oder Bedrohung verbunden. Die überwiegend zurückhaltende Inszenierung macht Sexplanation auch für jüngere Kinder zumutbar. Grafiken, in denen Geschlechtsteile gezeigt oder sexuelle Handlungen angedeutet werden, bleiben comichaft und abstrakt und stellen daher keine Überforderung für jüngere Kinder dar.

Die behandelten Themen wie geschlechtliche und sexuelle Identität, Konsens oder Beziehungen betreffen zudem bereits Jüngere, weshalb der zu großen Teilen aufklärerisch präsentierte und behutsame Umgang mit den Thematiken auch für diese Altersgruppe eine Bereicherung darstellen kann. Der Prüfausschuss sprach sich aus diesen Gründen bei fünf der sechs Episoden für eine weitergehende Freigabe nach § 11 PrO-FSF für das Tagesprogramm aus.

Bei einer der Folgen sah der Prüfausschuss von einer weitergehenden Freigabe ab und entschied eine antragsgemäße Freigabe im Hauptabendprogramm. Gründe hierfür waren die zwar oberflächliche, aber dennoch unkritische Thematisierung der Internetplattform OnlyFans sowie die teils explizite auditive Untermalung der Thematik Pornografie. Der Prüfausschuss konnte eine Überforderung unter 12-Jähriger nicht ausschließen.
 

Bitte beachten Sie:
Bei den Altersfreigaben handelt es sich nicht um pädagogische Empfehlungen, sondern um die Angabe der Altersstufe, für die ein Programm nach Einschätzung der Prüferinnen und Prüfer keine entwicklungsbeeinträchtigenden Wirkungsrisiken mehr bedeutet.

Weiterlesen:
Sendezeiten und Altersfreigaben

 

Hinweis:
Pay-TV-Anbieter oder Streamingdienste können eine Jugendschutzsperre aktivieren, die von den Zuschauer:innen mit der Eingabe einer Jugendschutz-PIN freigeschaltet werden muss. In dem Fall gelten nicht die üblichen Sendezeitbeschränkungen und Schnittauflagen. Weitere Informationen zu Vorschriften und Anforderungen an digitale Vorsperren als Alternative zur Vergabe von Sendezeitbeschränkungen sind im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (§ 5 Abs. 3 Nr. 1§ 9 Abs. 2 JMStV) sowie in der Jugendschutzsatzung der Landesmedienanstalten (§ 2 bis § 5 JSS) zu finden.

Weiterlesen:
Jugendschutz bei Streamingdiensten