Das Leben ist Kampf – Kampf ist das Leben

Die Biopic-Serie „Madiba“ über Nelson Mandela bei THE HISTORY CHANNEL

Christiane Radeke

Christiane Radeke studierte AV-Medienwissenschaften an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg und ist hauptamtliche Prüferin bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF). Sie schreibt als Autorin u.a. für das Kinder- und Jugendfilmzentrum (KJF) und arbeitet für die Deutsche Welle in der Abteilung Documentaries.

Programm Madiba
 Drama, USA 2017
SenderTHE HISTORY CHANNEL, seit 07.10.2022

Online seit 20.10.2022: https://mediendiskurs.online/beitrag/das-leben-ist-kampf-kampf-ist-das-leben-beitrag-1124/

 

 

Die Dramaserie Madiba zeichnet den Lebensweg des Menschenrechtsaktivisten Nelson Mandela nach und basiert auf den autobiografischen Schriften Conversations with Myself und Nelson Mandela by Himself.

Hollywoodstar Laurence Fishburne verkörpert charismatisch den Anführer der Protestbewegung gegen das Apartheid-Regime in Südafrika. Die Serie erzählt chronologisch, beginnend in der Kindheit in den 1920er-Jahren, legt dann aber den Fokus auf die politische Entwicklung eines Mannes, der sein ganzes Leben dem Kampf um Gerechtigkeit verschrieben hat. Es entsteht ein dichtes Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse, der Chancenlosigkeit der schwarzen Bevölkerung und der Willkürakte und gewaltsamen Unterdrückungsmethoden des damaligen Regimes. Michael Nyqvist mimt Mandelas Gegenspieler in den 1960er-Jahren, Premierminister Hendrik Verwoerd, als gnadenlosen Hardliner, auf dessen Konto Willkürmorde und Massaker an Unbewaffneten gehen. In den ersten drei Episoden der Miniserie wird von Protesten und dem brutalen Eingreifen der Staatsmacht erzählt, von Versammlungen über die Radikalisierung des ANC mit Sabotageakten, von Verfolgung, Verurteilungen und Gefängnisstrafen, aber auch von Mandelas persönlichen Beziehungen zu Mitstreitern und seinen beiden Ehefrauen.
 

Trailer Madiba (HISTORY_de, 28.09.2022)



Problematik und Grenzen des gewaltfreien Widerstands

Die Serie hat trotz ihrer historischen Rahmung aktuelle Bezüge. Sie zeigt die Kraft einer zivilgesellschaftlichen Bewegung in scheinbar auswegloser Situation, aber auch die Problematik und Grenzen des gewaltfreien Widerstands, wenn die Gegenseite übermächtig ist und äußerst brutal Gewalt und Waffen zur Durchsetzung ihrer Ziele einsetzt. Mandelas Weg des friedlichen Widerstands hat bis heute nichts an Strahlkraft verloren. Die Serie kann zur Ausbildung von Gerechtigkeitsempfinden beitragen.
 

Dialoggeprägt erzählt, mit blutigen Szenen als Spitzen

Gemäß den realen Ereignissen kommt es auch zu blutigen Szenen, wenn Proteste und Aufstände niedergeschlagen werden. Diese sind jedoch dramaturgisch begründet und wichtig, um ein wahrheitsgetreues Abbild der Ereignisse zu liefern, aber auch um die spätere Radikalisierung der Protestbewegung zu erklären. Ansonsten ist das detailreich ausgestattete historische Biopic vor allem von Dialogen geprägt, in denen die politischen Zustände und Aktivitäten verhandelt werden und Einblicke in das Privatleben gewährt werden. So gibt es auch viele entlastende und ruhige Szenen. Zeitliche und geografische Entfernung schaffen weiterhin Distanzierung.
 


Freigegeben ab …
 

Die Entscheidungen zu den Episoden der Miniserie fielen unterschiedlich aus, wenngleich der Platzierung ab 12 Jahren im Tagesprogramm in fast allen Fällen entsprochen werden konnte, in einigen Fällen aber nur unter Schnittauflagen. Der FSF-Prüfausschuss diskutierte die enthaltenen Gewaltszenen kontrovers und wog den zweifelsohne aufklärerischen Charakter im Sinne der historischen und gesellschaftspolitischen Bildung gegen die Gefahr einer nachhaltigen Ängstigung im Hinblick auf das Wohl jüngerer Kinder im Tagesprogramm ab. Die Verhängung von Schnittauflagen wurde zwar als kontraproduktiv bewertet, da diese das Bild verzerren und verfälschen würden. Zu diesem zeithistorischen Format gehört, dass das Apartheitssystem in seiner ganzen Ungerechtigkeit und Willkürherrschaft nachvollziehbar ist. Gleichwohl mussten einige Szenen entschärft werden, um dem Antrag auf Platzierung im Tagesprogramm zu entsprechen. Besser aufgehoben sind die einzelnen für Jüngere herausfordernden Episoden der anspruchsvollen Historienserie jedoch in der integralen Fassung im Hauptabendprogramm, um ein vollständiges Bild der Ereignisse zu vermitteln.

Bitte beachten Sie:
Bei den Altersfreigaben handelt es sich nicht um pädagogische Empfehlungen, sondern um die Angabe der Altersstufe, für die ein Programm nach Einschätzung der Prüferinnen und Prüfer keine entwicklungsbeeinträchtigenden Wirkungsrisiken mehr bedeutet.

Weiterlesen:
Sendezeiten und Altersfreigaben

Hinweis:
Pay-TV-Anbieter oder Streamingdienste können eine Jugendschutzsperre aktivieren, die von den Zuschauer:innen mit der Eingabe einer Jugendschutz-PIN freigeschaltet werden muss. In dem Fall gelten nicht die üblichen Sendezeitbeschränkungen und Schnittauflagen. Weitere Informationen zu Vorschriften und Anforderungen an digitale Vorsperren als Alternative zur Vergabe von Sendezeitbeschränkungen sind im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (§ 5 Abs. 3 Nr. 1§ 9 Abs. 2 JMStV) sowie in der Jugendschutzsatzung der Landesmedienanstalten (§ 2 bis § 5 JSS) zu finden.

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Jugendschutz bei Streamingdiensten